Ilse Burkelz
Die Künstlerin ist eine vitale und sinnliche Künstlerin, die nicht theoretisch über ihr Schaffen nachzudenken braucht. Sie weiß, was sie malen will und sie malt exakt das. Jedes Bild ist eine „Ek – stasis“ , ein Heraustreten aus sich selbst. Diesem ekstatischen Element gesellt sich das meditative hinzu.Ihre Sinnlichkeit liegt im Schwelgen mit der Farbe, ihre Vitalität im Verfremden der Natur, im abstrahierenden Absehen von Gewohntem.

Dir. Mag. Karl Mittlinger


Der Akt, die Malerin, das Bild.

In jedem Sujet will ein Maler, eine Malerin unverwechselbar, wiedererkennbar sein, bei der Fülle von Akten, die gemalt wurden, ist dies ein hoher Anspruch. Ilse Burkelz schafft es. Zuerst mit dem verwendeten Material: Aluminiumplatte, wie sie in der Offsetdruckerrei verwendet werden, die von ihr mit Chinatusche bzw. Acrylfarben bezeichneten bzw. bemalten Platten werden auf grundierte Leinwände aufgezogen. Ilse Burkelz schafft sich den Menschen nicht aus der Phantasie, aus der Erinnerung: jedes Bild ist aus leibhaftiger Anschauung, als Arbeit mit dem Modell entwickelt. In metaphorischer, bildlicher Hinsicht heißt es, dass jede Beschäftigung mit dem Körper des Menschen immer eine Aussage über den ganzen Menschen trifft: der Körper kann als Sexobjekt instumentalisiert oder als Signal zur erotischen Beziehungsaufnahme verstanden werden, er kann als Sück Fleich oder aufgeladen mit Lebenserfahrung als Leib gesehen werden; im ersten Fall als geschöntes Lustobjekt oder als geschundenes, gemartertes, ausgebeutetes Instrument unserer Leistungsgesellschaft, im zweiten Fall als ein in seiner Hinfälligkeit liebenswürdiger Ausdruck unseres Existierens. Wir haben keine andere Möglichkeit, als uns über unseren Körper auszudrücken. Was dem Körper Struktur und Form gibt, ist sein Geist, seine Seele. Es ist überaus lohnenswert,die Akte Ilse Burkelz unter diesem Blickwinkel zu betrachten! Im Pinselstrich ist nicht der energische Gestus ihrer großen Ölbilder zu erkennen, der Pinsel zögert, verweilt, bessert nach: für mich ist das ein demütiges Einbekennen, dass Umfeld des Menschen nicht alles klar ist, dass der Mensch ein Rätsel ist und alle Aussagen vorläufig und korrekturbedürftig sind. So wie durch den Pinselstrich aus einer Bildfläche die Konturen eines Körpers herauswachsen, so filtert das sinnliche Interesse aus einer Geste, aus einer Haltung, aus dem Tonfall der Stimme eine Botschaft, ein Signal an uns, wir können Emotionen "lesen".
anima forma corporis: in der mittelsalterlichen Philosophie Theologie wurde die Einheit von Leib und Seele gegen alle Versuche einer einseitigen, weltflüchtigen Spiritualisierung - aber auch gegen eine materialistische seelenlose Sicht - des Menschen verteidigt.

Dir. Mag. Karl Mittlinger


Rotes, Gold

"Gold Inbegriff des Edlen"; pointiert eingesetzt, kann es Kunstwerken den Glanz des Erhabenen verleihen. Die Arbeit mit dem edlen Werkstoff zu einer fast feierlichen Zeremonie, die dem Künstler Wertschätzung und Geduld abverlangt.

Rotes, Gold

"Rot mit Gold musst du malen können, die Kraft dieser Farben muss spürbar werden"; sagt sie mir bei einem Atelierbesuch, denn Rot ist nicht gleich Rot. Ilse Burkelz verwendet selten die Farben, die der Handel in der Tube, in der Dose anbietet. Sie mischt sich ihre Farben selbst - ohne sie durch Zugabe von Weiß in ihrem Charakter zu verändern. Bordeaux red, Cadmium Orange, Zitronen gelb, Karminrot, Naphtalrot, Renaissance Gold und die sich daraus ergebenden Nuancen als rotglühende Emotion, als schmelzendes Erz, als alchemistische Reinigung, als verzerrende Leidenschaft, als das Wegbrennen des Dunklen. Der Malakt der Künstlerin, des Künstlers ist das Eine: Je weniger Absicht und pädagogischer betrachtende Mensch ist das Andere: die Bilder treffen auf Tiefenschichten und lösen emotionale Prozesse aus, berühren, schrecken auf, klären, führen Einverständnis herbei oder stellen in Frage. Wenn sich der, die Betrachtende sich darauf einlässt. Dann treten die unbewussten Anteile der Künstlerin, des Künstlers und der Betrachtenden in einen Dialog, der zunächst unbewusst bleibt. Ein unbestimmtes "das Bild spricht mich an" ist die Reaktion, bei der es oft bleibt. Es gibt Stufen der Erkenntnis, die höchste hat wohl Rilke in seinem "archäischen Torso Apollos" beschrieben: "denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern" (Gedicht I/313). Wer es nicht weiß: Ilse Burkelz ist ein Werkzeug, das dazu gebraucht werden will.

Dir. Mag. Karl Mittlinger